![]() *17.08.1991 + 12.07.2004 |
Es weht der Wind ein Blatt vom Baum, von vielen Blättern eines. Das eine Blatt man merkt es kaum, denn eines ist ja keines. Doch dieses eine Blatt allein war Teil von unserem Leben. Drum wird dies eine Blatt allein uns immer wieder fehlen. |
Am Montag, den 12.Juli 2004 hat Nora uns für immer verlassen.
Egal wann, es ist immer zu früh!Nora
hat uns fast 13 Jahre begleitet. Sie war bestimmt kein einfacher Hund oder
vielleicht waren wir auch zu unerfahren ....jedenfalls erinnern wir uns noch
lebhaft, wie wir uns zu Anfang vor diesem kleinen Fellball gefürchtet haben, der
alle Hosenbeine und Schuhe, ja selbst die nackten Waden ohne Vorwarnung
angriff.....Auch das „bei Fuss“ war so ein Kapitel für sich. Die Frage, wer mit wem spazieren ging, war
auf den ersten Blick nicht zu beantworten. Fremde Männer waren nicht Noras Sache
(nachdem sie eine unangenehme Sache mit einer Zigarette erlebt hatte), ebenso
wenig wie unsere Tante, die Nora als jungen Hund einmal unsanft behandelt
hat.....die Abneigung bestand ein Leben lang. Schon als 3-Käse-Hoch liebte Nora
unsere Hühner und Kaninchen, die derzeit noch bei uns lebten. Bernertypisch
zeigte sie nie einen Ansatz zum Jagen.
Anderen Hunden gegenüber trat Nora von jeher dominant auf. Wilde Tobereien auf
dem Feld waren ihr fremd. Vielleicht auch, weil sie als Junghund nicht so viele
Kontakte zu Gleichaltrigen hatte...damals kannten wir Begriffe wie
„Welpenprägung“ usw. noch nicht.Als Nora 3 ½ Jahre alt war, bekam sie Gwen als Rudelmitglied.
Zuerst wenig begeistert, saß sie 2 Wochen lang sabbernd in der Ecke und hielt
Klein-Gwen auf Distanz. Doch nach einiger Zeit brach das Eis und Nora schlüpfte
in eine Art Mutterrolle, die noch bis heute von Zeit zu Zeit, insbesondere bei
Scheinträchtigkeit, durchbricht. Sie leckt Gwen mit einer Hingabe das Gesicht,
und Gwen geniesst es.
Nora und Gwen hatten nie einen ernsten Streit, was
sicherlich auch auf Gwendolyns Charakter zurückzuführen ist. Mit Gwen hat Nora
viel gespielt. Allerdings bestimmte Nora ganz klar, wer wie nah an sie ran dürfte
und niemals hätte Gwen es gewagt, von sich aus Körperkontakt zu suchen.
Als Nora 4 Jahre alt war, besuchte sie dann auch den Hundeplatz. Hier entdeckten
wir, was sie doch eigentlich für ein hervorragender Arbeitshund
ist...Unterordnung, Turnierhundsport, Agility...wenns es nur ein Krümelchen zu
fressen als Belohnung gab, war Nora für ALLES zu motivieren. Fast Alles.....denn
nach ein paar Monaten hatte Nora plötzlich extreme Schussangst, die eine BH
unmöglich machte. Seitdem waren Gewitter, Silvesterknaller und ähnliche
Geräusche ein Greuel und man sollte vorausschauend sein, denn Nora sucht dann
kopflos das Weite. Anbei bemerkt lernte Nora sehr schnell....zumindest
Negativverknüpfungen. Als Beispiele seien zu nennen, dass sie schon den Weg zum
Hundeplatz hoch gemieden hat, wenn am Übungstag vorher ein Schuss fiel, und das
über Wochen, oder aber die Sache mit dem Elektrozaun um eine Schafsherde. Zu den
anderen Hunden: Wie schon angedeutet, mit rudelfremden Hunden spielte Nora nicht
und eigentlich interessierte sie sich nicht allzu sehr für sie. Bekannte Hunde
beschnüffelte sie kurz freundlich, fremde wurden erst mit wildem Geknurre und
Gebell in ihre Schranken gewiesen. Eine ernsthaftere Beisserei gab es nur
einmal, die allerdings nicht von Nora ausging, sondern von einer anderen Hündin.
Als Plooh vor Anfang 2001 das Rudel vergrösserte, war Nora,
damals schon 9 Jahre alt, erneut nicht sehr begeistert und hielt den Teufel auf
Abstand. Mit der Zeit adoptierte sie Plooh auch als „Baby“ , auch wenn zwischen
den beiden ein anderes Verhältnis als zwischen Gwen und Nora herrscht. Plooh
versuchte schon mit 9 Wochen, Nora die Rudelführung streitig zu machen, und es
gab ein weiteres Mal einen kleinen Zwischenfall, bei dem Plooh den Mund etwas zu
voll nahm. Danach hat sie aber mächtig Respekt vor Nora.
Wichtiger als Hunde waren Nora vor allen Dingen ihre Menschen, sprich die ganze
Familie. Sie war weniger auf eine Bezugsperson fixiert, sie schaute- ganz nach
ihrem Hütehundinstinkt- immer, dass alle, die mit ihr unterwegs waren, auch
zusammenblieben. Und wagte es jemand, sich von der Gruppe abzusetzen.......dann
wurde es laut....
Nora war sehr verschmust und wurde dabei fast schon aufdringlich. Auch bei
völlig fremden Personen auf dem Spaziergang ergriff sie Gelegenheit und machte
es sich auf den Füssen bequem.
Oh, wie konnte ich vergessen, Noras Verfressenheit zu erwähnen. „Strassenstaubsauger“
war ein passender Name für sie, und auch die Art und Weise, wie sie etwas aus
der Hand fraß, konnte mitunter etwas unangenehm sein.....Essen war Noras Leben.
So lag ihr Rekord beim Essen für ihr Frühstück bei 9 Sekunden! Einen
Ochsenziemer von fast 1m Länge schaffte sie meist unter 10 Minuten. Essen ist
eher ein Fremdwort, schlingen trifft es besser. So schaffte es Nora beinah einen
kompletten Büffelhautknochen herunterzuschlingen ohne einen Bissen darauf gekaut
zu haben. Lieber würgte man ihn noch 10 mal hoch, aber bloß nicht kauen.
Spaziergänge waren auch grundsätzlich dafür gedacht, nach Aas, Müll etc. zu
suchen! In jungen Jahren wurde auch gerne auf Taschentücher und Zigarettenkippen
zurückgegriffen. Es ist bemerkenswert, dass Nora nur einmal im Leben Durchfall
hatte. Sie hat einen Magen-Darm-Trakt aus Stahl ;-)
Trotz ihrer Gier wundert es einen immer wieder, dass Nora keinerlei Anzeichen
von Futterneid zeigte. Sie ließ sich von Gwen und Plooh alles stehlen.
Noras Taten bescherten ihr auch so manchen Spitznamen. Zu erwähnen wären da :
Nofretete, Nofre, Kaiserin, Göttin, Franziska, Afro, Kläffmaul, Schweinsbacke
und Kasten. Auf letzteren hörte sie sogar ;-)Bis ins hohe Alter war Nora
ein hektischer Hund, der den ganzen Tag herum lief. Und manchmal hatten wir den
Eindruck, je älter sie wird, desto schlimmer wird es. Sie ließ es sich auch
nicht nehmen, ihre Hühner zu hüten.
Nora war ein wirklich kerngesunder Hund. Mit 11 Jahren begann Sie
mit Altersarthrose zu kämpfen.
Am 12.07.2004 konnte bzw. wollte Nora nicht mehr ausstehen. Schon
Wochen zuvor wollte sie nicht mehr richtig fressen.
Versuche, sie zum aufstehen zu bewegen, waren zwecklos. Es ging nicht mehr. Sie
schrie und jammerte die ganze Zeit.Am Nachmittag wurde sie in gewohnter Umgebung von Ihren Qualen
erlöst. Sie hinterläßt eine große Lücke.Sie war und ist für uns der perfekte Berner. Für uns ist sie
optisch und charakterlich einfach einmalig. Sie wird in unseren Herzen immer
einen Ehrenplatz haben!
"Niemals
geht man so ganz. Ein Stück von dir bleibt immer hier bei uns."
Trude Herr